Philosophie
Donnerstag, Oktober 16, 2003
Ihr Lieben!
Nach all den Gruppenmails der vergangenen Tage wird es Euch vielleicht überraschen: Mir ist um die Zukunft von "PhiloDisput" nicht sonderlich bang. Wenn man sich bei der Betrachtung nicht nur auf die mails der jüngsten Zeit kapriziert, sondern mal die Zeit seit Sommer nimmt, als es mit "Was heißt Denken?" von Heidegger als "Sommerloch-Lektüre" begann und wenn man sich die Entwicklung der Diskussion um Heidegger, um Nietzsche zwischenzeitlich, um einige Philosophien des 19. Jahrhunderts und letztlich um Husserl anschaut ... wenn man dann noch das, was im Begriffsregister zur Phänomenologie steht, dazunimmt und das was Achim und Norbert zusammengetragen haben ... ist das eigentlich eine so miserable Ausbeute für 100 Tage??
In früheren Philosophiegruppen war es häufig so, daß Mitglieder (sehr oft "Experten") sich Verbalschlachten lieferten. "Streit" war die Hauptform der Kommunikation. Waren in einer Gruppe 50 Mitglieder, keiften sich davon eine Handvoll an, während die anderen 45 die Kulisse bildeten. Ist es nicht wohltuend, wie sachlich und gelassen es in den mails zu Husserl und in den Weblogs von Achim und Norbert zugeht? Sicher, "Störenfriede" haben wir auch schon dabei gehabt. Ich habe offensichtlich eine hochexplosive Mischung zusammengestellt ... :-) Dieter hat sich während seiner Moderation viel Mühe gegeben ... ist auf jeden eingegangen. Ist und war das alles nun so schlecht??
Ich glaube nicht, daß "PhiloDisput" am Ende ist. Es ist am Anfang. Mit Nicole, die ich vorhin hier im Log begrüßt habe, ist ein weiteres Mitglied dazugekommen, dem die Sache der Philosophie am Herzen liegt. Von Achim, Dieter, Dtaumatzein, Norbert, Cruella, Wirbelimsturm und vielen anderen weiß ich, daß es bei ihnen auch so ist. - Nun vertritt der Denkerx2 eine Auffassung, der sich auch andere angeschlossen haben, daß eine Internetgruppe so, wie ich es mir vorgestellt habe, nicht verfahren und nicht funktionieren kann. "Philosophie von unten" ist das Schlag- und Zauberwort in diesem Zusammenhang. Ich glaube auch - und das meine ich jetzt ganz unironisch - daß da was dran ist. Einige haben sicher eine ganz andere Auffassung und eine vollkommen andere Erwartung in puncto Philosophie-Gruppe. Das ist aus meiner Sicht auch legitim. Der Denkerx2 plädiert für eine rigorose Trennung und ich vermute und hoffe, daß die, die ihm zustimmen, seine Vorschläge diesbezüglich genau kennen. Eine saubere Trennung beider Intentionen ("Grundlinien der Philosophie im 20. Jahrhundert" und "Philosophie von unten") in zwei voneinander unabhängigen Gruppen - das ist auch mein Vorschlag. Das ist auch der Grund (ein Grund), warum wir "philosophie4" auflösen sollten.
"PhiloDisput" sollte aber nicht in diesen Sog hineingeraten. Diese Gruppe sollte ihr Programm beibehalten. Es kann von mir aus gerne modifiziert, erweitert, eingeschränkt werden - kein Problem. Nur - wir (die PhiloDisputler) sollten jetzt nicht auch noch anfangen, an unserem Vorhaben oder gar an uns zu zweifeln. Das Personal dieser Gruppe ist kompetent und willens, etwas "auf die Beine" zu stellen. Das hat sie längst bewiesen. Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln. "Staubige Lungen" gehören bei Arbeiten im Steinbruch dazu .... :-))
Meine Bitte geht also dahin, Euch bei den sicher in den nächsten Tagen angestehenden Einquartierungsaktivitäten auf dem neuen Dampfer "philoso4en" nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Ich habe Rolf vorhin angeboten, daß die Themenfindung für seine neue Gruppe über den e-mail-Verteiler von "Philosophie4" abgewickelt werden kann, falls gewünscht. Es wird also möglicherweise noch etwas unruhig werden dort; aber ich denke doch, daß das alles dann in zwei, drei ... Wochen abgewickelt ist.
Noch ein Wort an die PhiloDisputler, die mit Husserl und der Philosophie im allgemeinen noch nicht so vertraut sind: Schaltet Euch mit in die e-mail-Diskussion ein, stellt Eure Fragen, Bedenken, Einwände ohne Angst, Euch damit eine Blöße zu geben oder gar, Euch zu blamieren. Wir sind bei PhiloDisput jetzt 19 Mitglieder. Ich meine - das richtet sich jetzt nicht gegen Rolf und seine Bemühungen - daß es ohne 3 (!) Chats am Wochenende möglich sein muß, in den Gruppenmails alles zur Sprache zu bringen, was mit der Lektüre der Texte zusammenfällt. Wer nur mitlesen möchte ist genauso in unserer Runde willkommen wie alle anderen auch. Es gibt keinen Zwang, etwas schreiben zu müssen; es gibt die Möglichkeit dazu. Natürlich freuen sich alle, wenn es ein lebendiges Gespräch zwischen mehreren Personen gibt. Klar - aber nur zu lesen, ist ein ganz verständlicher Wunsch, gegen den aus meiner Sicht nichts zu sagen ist. (Hoffentlich glaubt keiner von Euch an den Unfug, daß es dabei um die erheischte "Bewunderung" eines Auditoriums ginge ... )
Ich weiß, daß einige von Euch sich seit geraumer Zeit mit Husserls Schriften ("Logischen Untersuchungen", "Vorlesungen zur Phänomenologie des inneren Zeitbewußtseins", "Cartesianische Meditationen", "Reclam-Auswahl") beschäftigen. Es wäre schön, darüber etwas per Gruppenmail zu erfahren. FliegendKranich hat das schon gestern getan. Es spricht auch nichts dagegen, mal einen Abschnitt zu zitieren und nur ein paar Fragen dazuzustellen. - Gruppenmails müssen keineswegs "Abhandlungen" sein. Sollte umgekehrt aber auch mal ein paar Tage der Briefkasten leer bleiben, dann ist das durchaus kein Zeichen dafür, daß die Gruppe nun bald am Ende sein wird. Es kann ja auch sein, daß alle eifrig lesen ... und keine Zeit für mails haben ... :-)) - Schaut auch ab und zu mal in die Weblogs von Achim, Norbert und Nauplios rein. (Die entsprechenden Links findet Ihr bei den "Favoriten" auf der Homepage von PhiloDisput. Nicole möchte ich bitten, ihr Weblog doch auch da einzutragen. Ich bin schon mal so dreist, hier einen Link zu geben: Centerstage ... :-)
Zum Schluß noch ein Vorschlag: Laßt uns den e-mail-Verteiler von PhiloDisput fürs Philosophische im allerweitesten Sinne (Verständnisfragen gehören dort selbstverständlich hinein) nutzen und dieses Weblog hier zur Klärung von technischen, organisatorischen und anderen Fragen. Fast alle PhiloDisputler sind auch hier angemeldet; wer noch eine Einladung zum Log möchte, soll mich kurz anschreiben.
Und dann laßt uns jetzt nicht länger zaghaft sein, sondern der Philosophie Husserls zuwenden und wenn irgendmöglich bis Ende November damit zum Abschluß kommen. Uns allen ist doch vollkommen klar, daß wir nicht die ganze Philosophie Husserls in allen Einzelheiten besprechen können. Das hat auch nie jemand erwartet. Wenn jemand dann noch weiter sich mit der Phänomenologie beschäftigen will und noch länger Husserl lesen will, dann ist das doch - mit Kanzlers Wort - ne dolle Sache! Über Husserl kann auch im Dezember oder Januar noch gesprochen werden, während die anderen dann vielleicht bei Heidegger oder Bloch sind. Das sollten wir doch gar nicht so eng sehen. Die "Logischen Untersuchungen" (1000 Seiten) komplett zu lesen und zu besprechen, hm ... das wird 6 oder 9 Monate dauern, das können wir allerdings wohl nicht leisten; wenn es dennoch jemand tut: Hut ab!
Ihr Lieben - und jetzt: "Zu den Sachen selbst!" ... :-))
Liebe Grüße
Nauplios
